Im Vorübergehen… Der Palast Barberini-Rückseite

Heute, nach sehr langer Blogpause, kommt wieder meine Kollege und Freund Thomas Sander zu Wort. Auch diesmal hat er wieder, so ganz  im Vorübergegen, eine neue Attraktion in Potsdam unter die Lupe genommen und erzählt, auf seine bekannte Art & Weise über das neue/alte Barberini an der Alten Fahrt. Viel Freude beim Lesen. 

„Kennen Sie diese kleinen elektronischen Taschenschrittzähler, wie sie neuerdings nicht wenige Zeitgenossen in ihren Beinkleidern horten, um an einer Kreuzung oder vor einem Schaufenster verstohlen einen Blick darauf zu werfen? Und dann dieses ungläubige Erstaunen: Was, keine tausend Schritte? Bis zur Zahl 10.000 und damit der Belohnung in Form eines kleinen jubelnden Männchens auf dem Display ist es demnach noch ein weiter Weg. Ja, das Gefühl beschleicht einen öfter: Man kommt einfach nicht vorwärts im Leben. Also weiter, und immer einen Fuß hübsch vor den anderen…

Nachdem mir mein Bruder vor einiger Zeit so etwas zum Geburtstag geschenkt hatte, statt mir gleich zu sagen, dass ich zu fett sei, und ich diesen Trojaner des schlechten Gewissens erst einmal ein halbes Jahr tunlichst ignorierte, konnte ich auf mehrmaliges Nachfragen seinerseits nicht mehr anders und schnallte mir gestern Abend den kleinen Überwachungsapparat erstmals an den Gürtel und absolvierte meine Initiationsrunde.

Ich querte zügig den Parkplatz vor dem Haus, bog um die Hauptpost am Platz der Einheit auf die Straße am Kanal, passierte rechterhand die Nikolaikirche, beschleunigte noch einmal auf dem Alten Markt und schoss wie eine Irrer die Treppen zur Havel hinunter, nicht bedenkend, dass mehr Geschwindigkeit nicht gleich mehr Schritte bedeuten. Aber ich war schon immer ein Physikass. In meinem Rücken rauschte unablässig der Verkehr auf der Langen Brücke und vor mir erstreckte sich das neue Trottoir entlang der Alten Fahrt.

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Endlich blieb ich stehen, außer Atem und sehr gespannt. Ich nestelte dieses kleine blaue Ding aus der Tasche, drückte auf „Mode“, guckte noch mal, ob keiner guckt und… Verdammt! Das Ding muss kaputt sein, war mein erster Gedanke, ich bin ja kaum vorwärtsgekommen.

Enttäuscht hob sich mein Blick, wanderte über die Stufen einer Freitreppe hinauf und blieb hängen an einem riesigen Koloss, der mit stramm erhobenem rechten Arm und einer zur Faust geballten Linken auf mich zustürmt. Noch zwei, drei Schritte und der Typ wird unweigerlich die Treppe hinabpurzeln. Dies umso mehr, als er keine Augen hat für das, was sich da unter ihm auftut. Sein Kopf scheint sich in der aufgerissenen Brust verstecken zu wollen.

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Ich stand unterhalb des Hofes vom Museum Barberini und der Typ da oben ist natürlich niemand anderes als der berühmte „Jahrhundertschritt“ von Wolfgang Mattheuer. Es handelt sich bei dieser Bronzeskulptur um den sechsten und mit über fünf Meter Höhe zugleich größten Abguss dieses Schlüsselwerkes der DDR-Kunst. Sagte ich Schlüsselwerk der DDR-Kunst? Nein, falsch, Mattheuers „Jahrhundertschritt“ ist sehr viel mehr als das. Die Skulptur ist ein Schlüsselwerk der deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts überhaupt. Kein Künstler, zumindest kein deutscher, hat vor ihm derart prägnant, vor allem aber öffentlichkeitswirksam diese Zerrissenheit zwischen Fortschritt und Reaktion, Kommunismus und Faschismus, barfüßiger Unschuld und gestiefeltem Verbrechen, Frieden und Krieg in einem Werk symbolisch dargestellt. 

Der „Jahrhundertschritt“ ist ein Jahrhundertwerk. Und offenbar, was die innewohnende Aktualität und Warnung betrifft, für manches Verständnis immer noch zu groß, um ihn in Potsdam angemessen auf einem entsprechend großen Platz zu zeigen. Stattdessen steht er hier auf dem Hof des Palastes Barberini inmitten gepflegter Hochbeete und ist dort auch nicht sicher vor Missverständnissen, wie etwa einer unter der Bezeichnung „Kunstaktion“ im Mai dieses Jahres begangenen Sachbeschädigung durch einen 74jährigen Berliner. Er hatte die Skulptur mit roter Farbe bekleckert und das Ganze mit einem 20 Meter langen Kreppband garniert.

Abends wird der „Jahrhundertschritt“ vorsorglich eingesperrt hinter einem übermannshohen Gitter. Entweder will man ihn so an der Flucht hindern, die allerdings ohnehin bei seiner Kopflosigkeit nach wenigen Schritten im Wasser der Alten Fahrt enden würde. Oder aber man muss ihn – wie schon gesagt – vor Leuten schützen, die es darauf anlegen, Kunst zu verüben.

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Mein Blick wanderte endlich weiter von der Skulptur zu den drei Seiten des Museumspalastes. Irgendwie scheint einem diese Architektur altvertraut zu sein von den vielen Bildern, die man davon schon in Büchern, auf Postkarten und im Netz gesehen hat. Teilweise stimmt das auch. So erweist sich die dreigeschossige Rückwand mit den Vasen auf der Attika analog zur Vorderseite als ein Lehrbuch der seit der Antike geläufigen Säulenordnungen, von Dorisch über Ionisch bis hin zu Korinthisch und hierarchisch korrekt übereinander getürmt. Doch die Seiten irritieren. Ursprünglich fünfgeschossig angelegt für Wohnzwecke, wobei es auch hier die für das alte Potsdam so typischen Mezzaningeschosse gab, haben der oder die Architekten bei den neuen Seitenflügeln versucht, aus funktionalen Gründen und unter Wahrung der alten Höhe das Ganze auf drei Etagen zu reduzieren. Das ging in den Fassaden zumindest optisch etwas daneben, denn jeweils drei unterschiedslos behandelte Gesimse trennen dicht aufeinanderfolgend die Geschosse und flirren streifig vor den Augen wie eine TV-Bildstörung. Das wäre Ludwig Persius, der Mitte des 19. Jahrhunderts die rückwärtigen Flügel des Palastes entworfen hatte, nie passiert. Das war aber auch zu einer Zeit, als sich die klassischen Architekten noch mit einer umfassenden Bildung herumschlugen, was sie letztlich daran hinderte, alles zu machen, was geht. Davon jedoch hat sich das Gros der modernen und vor allem erfolgreichen Architekten längst befreit, denn zuviel Bildung schafft nur Skrupel und kann auch ein Wettbewerbsnachteil sein.

Ich schaue noch einmal auf meinen Schrittzähler. Untrüglich zeigt er mir immer noch dasselbe Schrittmaß an. Und da dieser Anzeiger nicht von sich aus weiterläuft, sondern darauf wartet, dass ich es tue, muss ich unbedingt weiter bevor noch die Dunkelheit hereinbricht. Außerdem will ich unbedingt noch das kleine jubelnde Männchen auf dem Display sehen, denn wozu mache ich das Ganze sonst?

Im Vorüber gehen: Die Seerose

Wer schon darauf gewartet hatte, wieder einen Beitrag von Thomas Sander auf meinem Blog lesen zu können, wird sich heute freuen. Diesmal schreibt er ganz Gedankenverloren über den letzten Sommer und einem Kleinod an der Havelbucht.
Viel Vergnügen und träumt schon mal vom nächsten Sommer.

Wenn Homo gastronomicus sich irgendwo im Freien niederlässt, dann darf er sich zumindest in unseren Breiten sicher sein, dass sich Passer domesticus dazugesellt. Er, der Gemeine Haussperling, den wir noch gemeiner als Spatz kennen, gilt als „Kulturfolger“ des Menschen, folgt also dem, was Mensch für Kultur hält und betreibt. Zum Beispiel Essen gehen. Und weil der Spatz nicht nur ein munterer und lärmiger Zeitgenosse ist, sondern auch ein sehr geselliger, taucht er so gut wie nie allein auf, sondern hat seine Kumpane immer im Schlepptau. Hüpfend, den Kopf ruckartig zur Seite legend, sich aufplusternd und blitzschnell, wenn’s drauf ankommt, geht seine Jagd über den Holzrost zu Füßen auf die niedrige Mauer neben dem Tisch, von dort auf eine Stuhllehne und, wenn man nicht aufpasst… Aber ich passe auf, und mit einer Handbewegung, die auch von einem Spatzen nicht als Einladung missverstanden werden kann, habe ich den schlauen kleinen Federball davongescheucht – und zwar genau einen Meter weiter. Ich behalte dich genau im Auge, denke ich und weiß, dass er das auch denkt.

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Ich blicke hinüber zur Moschee, diesem gestreiften Unikum am anderen Ende der Neustädter Havelbucht. Persius hat sie Anfang der 1840er Jahre als Dampfmaschinenhaus für Friedrich Wilhelm IV. gebaut, der nichts gegen die Segnungen der Industriellen Revolution hatte, solange sie sich nur hübsch verpacken ließen. In diesem Fall und mal zur Abwechslung im maurischen Stil mit einem Schornstein als Minarett. Offenbar gelang diese Camouflage so gut, dass, so habe ich mir sagen lassen, noch in jüngster Zeit einige Muslime zur Havel gepilgert seien, um in der Moschee ihr Freitagsgebet zu verrichten. Ich finde den Irrtum nur zu verständlich, denn schon lange weht keine Rauchfahne mehr aus dem Minarett. Und nichts ist mehr über die Bucht hinweg zu hören vom rhythmischen Schnaufen und Stampfen einer Zweizylinder-Dampfmaschine von Borsig mit 82-PS. Schade eigentlich, denn ich mag Dampfmaschinen und war schon als Kind von den Qualmrössern auf dem heimischen Bahnhof fasziniert. Und schade auch, dass die Schlösserstiftung nun aus Spargründen beschlossen hat, neben anderen Objekten die Havelmoschee das Jahr über geschlossen zu halten. Zugegeben: In all der Zeit, seit ich in Potsdam wohne, habe ich es nur ein einziges Mal geschafft, hinter die Kulisse zu blicken. Für uns Besucher wurde damals als Höhepunkt der Führung die Maschine in Gang gesetzt und wir alle legten unseren Kopf in den Nacken, um auf den hoch über uns rotierenden Fliehkraftregler zu starren. Darauf hockte ein kleiner goldener Adler und drehte sich flink im Kreis. Tolle Aussicht, meinte jemand neben mir. Blödsinn, dachte ich, wenn ich nur hingucke, wird mir schon schlecht.

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Die Regionalbahn aus Richtung Magdeburg rauscht soeben wie ein roter Pfeil über die Eisenbahnbrücke zu den Planitz-Inseln hinüber. Einst konnte man hier ungehindert über die Bucht nach Hermannswerder blicken, doch 1845 hat der schon besagte König, den man später den Romantiker auf den Thron nannte und der sich zeitlebens um die Potsdamer Kulturlandschaft bemühte, die Streckenführung südlich des Lustgartens bestimmt, also über die Havelbucht hinweg, und ein Jahr später fuhr hier der erste Zug. Die heutige Bogenbrücke stammt übrigens von 1995. Ihre Vorgängerin wurde 90 Jahre alt und hat zwei Weltkriege überstanden, mal sehen, wie lange es die neue macht.
Um mich herum sehr viel Betrieb, klapperndes Besteck, klirrende Gläser, Stimmengewirr, Vogelgezwitscher und der gelegentliche Ruf nach dem Kellner. Die Sonne scheint warm auf die Terrasse und ich atme den kühlen Duft der Havel. Mein Blick geht hinauf zum elegant gebogenen Dach dieses kleinen Pavillons, der „Seerose“ heißt, und ich versuche mich daran zu erinnern, wie eine Seerose aussieht.

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Der Bau wurde 1983 als – wie es sehr technisch heißt – „Hyperbol-Schalenkonstruktion“ nach Entwurf des Bauingenieurs Ulrich Müther errichtet. Direktes Vorbild war das Restaurant „Los Manantiales“ in Xochimilco, einem Stadtbezirk von Mexiko-Stadt. Der spanische Name des vom „Pionier des Betonschalenbaus“ Félix Candela entworfenen und 1958 eröffneten Restaurants bedeutet „Die Quellen“; sehr passend, da der Bau direkt am Wasser steht. Etwas näher am Wasser, das hätte der „Seerose“ sicher auch gut getan, doch war der sumpfige Boden an der Havelbucht schon schwierig genug. Genau 104 Betonpfähle mussten damals für die Gründung eingerammt werden. Sehr aufwändig für einen so kleinen Bau, dessen Funktion vor allem darin lag, gleich einer Blume im Asphalt das Quadratische und Praktische des umgebenden Plattenbaus etwas aufzulockern.

In jüngster Zeit gibt’s Ärger, weil der Besitzer des jetzigen Restaurants „Seerose“, in dem es zugegebenermaßen die besten Steaks und Burger der Stadt gibt, die zur Breiten Straße gelegenen Freiflächen als Wirtschaftshof nutzt und mit einem Allerlei an Zäunen, Planen, Einhausungen und Hecken auffällig kaschiert. Da macht die Denkmalpflege nicht mit, denn der Bau ist nun mal mit seiner Blüte von acht „Hyparschalen“ auf Rundumsicht angelegt und hat daher weder eine Vorder- noch eine Rückseite. Und der Wirtschaftshof ist im wahrsten Sinne des Wortes eine recht einseitige Angelegenheit, von der „Ästhetik“ mal ganz zu schweigen. Aus dem einstigen Café wurde ein veritables Restaurant und schon ist alles zu klein.

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Jetzt sitze ich also auf der Havelseite und beobachte die Spatzen zu meinen Füßen. Rotzfrech, denke ich, und bin zugleich dankbar, dass sie noch da sind. Nicht auszudenken, sie würden uns Menschen nicht mehr folgen. Nicole, die mir gegenübersitzt, atmet tief durch: „Schön hier!“ Und ich widerspreche ihr nicht.  

Im Vorübergehen…Brocksche Haus am Kanal

Ich freue mich sehr, meinen langjährigen Freund und Studienkollegen Thomas Sander begeistert zu haben, für die neue Rubrik „ Im Vorübergehen…“ auf meinem Blog zu schreiben. Er wird architektonische Kleinode in Potsdam und Umgebung vorstellen, die wir alle schon im Vorübergehen wahrgenommen haben, über die wir jedoch im Allgemeinen wenig wissen. Mittelpunkt seines ersten Beitrages ist das „Brocksche Haus am Kanal“. Es wurde vor kurzem von seinem Baugerüst befreit und erstrahlt nach der Sanierung wieder in voller Schönheit. Viel Spaß beim Lesen.

„Es gibt einen Spruch, der lautet: Mehr sein als scheinen! Soll angeblich für eine preußische Tugend stehen und zwar die Bescheidenheit. Abgesehen davon, dass mir altem Sünder bei den preußischen Tugenden schon immer etwas mulmig wurde, so scheinen sie doch zuallererst für „die da unten“ erdacht worden zu sein und zwar von „denen da oben“, wo man sich selbst kaum daran zu halten pflegte. War etwa König Friedrich II. ein bescheidener Mann, wenn er zwar jahrelang in ein und derselben tabakfleckigen Uniform herumlief, aber zehntausende Taler für goldene Tabaksdosen, Champagner und Kirschen im Winter ausgab? War das Bescheidenheit oder doch nur eine, sagen wir exklusive Nonchalance? Egal: Heute würde sich nicht einmal der Alte Fritz ohne Schlips und sauberen Kragen vor die Schlosstür trauen.

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Diese Gedanken kommen mir beim Anblick des frisch restaurierten, ach, was sage ich, wie aus dem Ei gepellten Brockschen Hauses Am Kanal, das nun aus Werbegründen unbedingt ein „Palais“ sein soll; wie ja auch das „Karstadt“ auf dem „Broadway“ schon seit längerem kein Warenhaus mehr ist sondern ein „Stadtpalais“. Könnte man verstehen, denn immerhin soll der Kunde dort König sein. Aber spätestens an der Kasse wird man wieder auf den Boden der Realität zurückgeholt.

Und was hat das Ganze mit dem Brockschen Haus zu tun? Nun, der Bau wurde 1776, also zu Zeiten des Alten Fritzen für einen vermögenden Glasschleifer und -händler namens Johann Christoph Brockes errichtet. Im Prinzip besteht das Ganze aus nicht sehr viel mehr, als einer dreistöckigen Prachtfassade mit drei Eingängen, Säulen aus Sandstein, einem mächtigen Giebeldreieck sowie Putten und Vasen auf der Attika. Letztere sollen übrigens wieder auf die leeren Postamente zurückkehren. 60 Meter ist die barocke Schau breit; das Haus dahinter misst aber nur acht Meter. Und weil es so schmal war, nannte es das Volk die „Patronentasche“.

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Im Inneren wohnten der Glashändler und dessen Bruder, der von Beruf Stadtarzt war, zusammen mit ihren Familien. Dazu kamen Wohnungen fürs Personal, Soldaten zur Einquartierung, Produktions- und Warenlager, Verkaufsräume sowie Werkstätten, Remisen und Ställe auf dem Hof. Es gab kein zentrales Treppenhaus und die Stuben lagen zumeist als Durchgangsräume ziemlich verschachtelt neben- und hintereinander. Das Brocksche Haus war also alles andere als ein fürstliches Palais, ungeachtet der Tatsache, dass es in der Mitte einen großen Saal gab und sich bei der jüngsten Restaurierung Spuren von offenen Kaminen und alten Wandmalereien fanden.

Als ich das von außen so prachtvolle, wenn auch recht ruinöse Haus zum ersten Mal betrat, war ich vom Inneren fast enttäuscht. Kahle Wände, Modergeruch und Spinnweben. Doch ich wusste ja, dass hier inzwischen viel umgebaut und zerstört war. Es galt buchstäblich hinter die Fassade bzw. die verschimmelten Raufasertapeten aus Telecom-Zeiten zu blicken. Und da entdeckte selbst ich bei genauerer Betrachtung noch manch Interessantes aus den Zeiten der Familie Brockes und der Preußischen Oberrechnungskammer, die hier ab 1817 residierte. Man sieht, was man weiß; und erst wenn man weiß, erhält es auch seinen Wert.

Mehr sein als scheinen! Hinter der heute in zartem Rosa getönten Fassade werden sich in naher Zukunft schicke, aber marktübliche und sehr, sehr teure Eigentumswohnungen verbergen. Das mag man bedauern. Andererseits: Das Beste am Haus war immer schon die Fassade und über die darf man sich jederzeit und nun erst recht freuen – und zwar kostenlos.“