Hofhäuser im alten China

Meine Reise durch das „Land der Mitte“ liegt nun schon einige Wochen zurück, aber meine Eindrücke sind immer noch lebendig, farbenfroh und unvergesslich. Deshalb freue ich mich, nach dem Start mit dem China-MoodBoard, euch mehr von meinen Begegnungen und Erlebnissen aus China zu berichten. In alter Manier werde ich interessante Feng Shui Themen aufgreifen und vorstellen, aber auch innenarchitektonische Highlights aus Shanghai werden nicht fehlen. Ihr dürft gespannt sein.

Mein heutiges Thema führt uns als erstes nach Beijing zu den alten und traditionellen Hofhäusern, die die legendären Hutongs (Gassen) bilden. Während meines Aufenthaltes in Chinas Hauptstadt habe ich in einem dieser wunderschönen Hofhäuser, welches als Hotel liebevoll und stilecht umgebaut wurde, übernachtet. Dort träumt es sich übrigens hervorragend.

Die Hofhäuser in Beijing sind, wie die verbotene Stadt, in exakter Nord-Süd-Richtung, um einen großen, offenen Hof ausgerichtet. Sie repräsentieren das am meisten angewandte Wohnhausprinzip im alten China. Hofhaus wird im Chinesischen mit „Siheyuan“ bezeichnet. „Si“ (vier) steht für die vier Himmelsrichtungen und „he“ (schließen) für die umschließenden Mauern, die um den inneren „Yuan“ (Hof) herum gebaut wurden. Hier zeige ich euch eine isometrische Darstellung eines traditionellen Hofhauses mit der Eingangstür, die nach Süden ausgerichtet ist und im Südostsektor der Wohnhausanlage positioniert wurde.

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In den Hofhäusern lebt man damals wie heute sehr geschützt mit viel Privatsphäre. Die hohen Mauern zu allen vier Seiten wehren nicht nur neugierige Blicke ab, sondern schützen auch vor dem Lärm der Stadt. Die traditionellen Hofhäuser in Beijing sind Teil einer rechteckigen Anlage, die aus 4 Hauptbauten besteht, deren Fenster und Türen alle zum geschlossenen Innenhof ausgerichtet sind. Zu dem klassischen Hofhaus gehören folgende Bauten:

  1. Das Haus des Patriarchen, welches an der Nordseite liegt und das größte Haus darstellt. Durch die Ausrichtung nach Süden hat es die beste Lage vor allem in den kalten Wintertagen.
  2. In den seitlichen Häusern wohnten getrennt voneinander die Söhne und Töchter, wobei den Töchtern das Haus auf der östlichen Seite und den Söhnen das Haus auf der westlichen Seite vorenthalten war.
  3. Der Eingang zum Hofhaus war im Süden und wurde flankiert von kleineren Häusern z.B. dem Empfangsraum und dem Studierzimmer. Um die direkte Einsicht in den Hof zu verhindern, trat man nach dem Eingang zuerst auf eine sogenannte Schattenwand „yingbi“. So wurde der Zuweg direkt gesteuert. Auch heute noch ist dies eine beliebte Bauweise in China. Betritt man z.B. ein Restaurant, stößt man zuerst auf diese Schattenwand und wendet sich erst dann, um den Gastraum zu betreten.
  4. Der Innenhof war das grüne Wohnzimmer der Familie und wurde mit Blumen und Bäumen bepflanzt. Auch Singvögel, die in Käfigen gehalten wurden, gehörten in den Innenhof und belebten diesen mit ihrem herrlichen Gesang.

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Einst war das Stadtbild von Beijing geprägt von den einstöckigen Hofhäusern, die ihm den Charme eines Dorfes verliehen. Umso bedauerlicher ist es, dass sie immer mehr aus Chinas Stadtbildern verschwinden und den gesichtslosen Hochhäusern zum Opfer fallen. Immer mehr Menschen jedoch, meist Ausländer, erhalten ein Stück des alten Beijing und kaufen ein „Siheyuan“, um es liebevoll zu renovieren. Sollte euer Weg euch nach Beijing führen, möchte ich euch das Courtyard 7 http://www.courtyard7.com/ ans Herz legen. Es wurde originalgetreu restauriert und vermittelt ein stilechtes Gefühl vom alten Beijing.

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Es war wunderschön so „stilecht“ in Beijing übernachtet zu haben.

Das Urlaubs-MoodBoard zum Weiterträumen…

Der Urlaub ist zu Ende, und viel zu schnell sind wir wieder im Alltag angekommen. Weiterträumen von den Reiseerlebnissen und die inneren Bilder so lange wie möglich wach halten, das wäre schön. Und so geht´s:

Vor meiner Reise durch das „Land der Mitte“ entspann sich die Idee, zuhause ein „MoodBoard“ von meinen Eindrücken und Erlebnissen zu entwerfen.

So war ich sensibilisiert, am Wegesrand auf das typisch chinesische zu achten und es mitzunehmen. Die wunderbare Frühlingszeit bot sich z.B. an viele Blüten zu sammeln. Gleich wurden sie in Reiseführer oder Wörterbuch gepresst. Sehr praktisch so ein kleines chinesisches Wörterbuch…. Das wichtigste beim Erstellen des MoodBoards sind jedoch die Bilder, oder wie in meinem Fall die schönsten Fotos von der Reise. Hier eine Auswahl von meinen Bildern, Blüten und all den anderen Dingen die meine Reisekollektion bereicherten.

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Zuerst jedoch möchte ich euch eine kurze Einführung zum „MoodBoard“ geben. Der Begriff stammt aus dem Englischen und steht für „Stimmung“ (mood) und „Tafel“ (board). Häufig findet es Anwendung in den kreativen Berufen wie Innenarchitektur und Design. Während eines Entwurfsprozesses ist es ein tolles Hilfsmittel, um sich einer Idee visuell zu nähern. Man benötigt einen Karton, der nicht weiß sein muss, sondern farbig sein kann. Ich entschied mich für einen goldenen Karton, den ich auf eine quadratische Spannplatte geklebt habe. Gold steht in China für Macht und ist meistens in Kombination mit Rot anzutreffen.

Auf diesen Karton werden dann Bilder, Materialien und kurze Texte, meist frei arrangiert oder auch aufwendiger gelayoutet, aufgebracht. Hat man alle Materialien beisammen, beginnt der spannende und kreative Prozess zu entscheiden, was davon auf das Board kommt. Dies kann schnell gehen, oder man lässt sich viel Zeit beim Arrangieren und schwelgt dabei in Erinnerungen. Ich habe mir viel Zeit gelassen, viele verschiedene Layouts hin und her geschoben und über mehrere Tage betrachtet. Am Ende ist ein sehr grafisches „Urlaubs-MoodBoard“ entstanden.

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Nun seid ihr gut ausgerüstet und könnt nach dem Urlaub euer eigenes MoodBoard erstellen und weiterträumen, wenn ihr es an der Wand hängen seht. Ihr wollt in der Wohnung ein Zimmer neu gestalten? Ein MoodBoard kann ein erster Schritt dorthin sein.

Und natürlich möchte ich meine Kreation niemandem vorenthalten. Sie schmückt jetzt meine Wohnzimmerwand zusammen mit meinen anderen „Goldquadraten“. Und so kann ich immer nach Stimmung und Laune das „Reise-Moodboard“ wechseln.

Euch einen schönen Sommer, einen tollen Urlaub und viel Freude beim Erstellen eures individuellen „Reise-MoodBoards“

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