Design in Shanghai-Teil 2

Vielleicht erinnert ihr euch noch an einen meiner letzten Blogbeiträge. Dort schrieb ich über das Restaurant „ Mercato“ am Bund in Shanghai. Heute habe ich ein weiteres Projekt von Neri & Hu Design Office für euch parat.

Das „Waterhouse Boutique Hotel“ kannte ich schon aus Fachzeitschriften und war sehr gespannt darauf es nun live, in echt und hautnah erleben zu können. Naja, leider nicht ganz hautnah, da die exklusiven Preise doch etwas zu exklusiv für mich waren und zum Glück auch kein Zimmer mehr zur Verfügung stand. (zwinkernd)

Vor der Eröffnung 2010 als Designhotel war es ein altes 3stöckiges Lagerhaus im alten Hafenviertel im Süden des Bunds. Das Besondere an dem heutigen Erscheinungsbild ist die konsequente Auseinandersetzung des Designerpaares mit der bestehenden Struktur des Gebäudes und seiner Geschichte. Während Shanghais Besatzung in den 30iger Jahren diente es als Hauptquartier der japanischen Armee. Die alten Strukturen sind noch an vielen Stellen von außen sowie auch von innen erlebbar. Die äußere Fassade z.B. wurde völlig so belassen, die Fenster ausgewechselt und das Gebäude um ein viertes Geschoß inkl. Dachterrasse erhöht. Dieses zusätzliche Geschoß wurde mit „Corten“ Stahl verkleidet und lässt die an sich schon verwitterte Fassade aufgrund von Regenspuren noch verwitterter aussehen.

Wer, wie ich, Industriecharme mag, wird dieses Hotel lieben, und die vielen Designpreise der letzten Jahre zeigen mir, dass ich mit meinem Geschmack nicht allein bin.

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Das Hotel betritt man von der Seitenstrasse durch eine Eingangstür, die Bestandteil einer riesigen Portalanlage aus Corten Stahl ist. Gleich danach steht man in einer phantastisch hohen Lobby, die gut und gerne 9 Meter Raumhöhe aufweist. Der kleine Empfangstresen wirkt so surreal in diesem großen Raum mit seinen unverputzten Wänden, dass auch die Designklassiker von Vitra dem alten Charme nichts anhaben können. Sie setzen jedoch einen starken Kontrast zum Innenraum und mit diesen Kontrasten spielen Neri & Hu meisterlich.

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Zum Gesamtensemble gehört ein kleiner Innenhof, der so schmal ist, dass er an die alten Gassen (Longtang) von Shanghai erinnert. Die Fassade des Hofes ist im Kontrast zur Außenfassade in Weiß gestrichen. Die aufklappbaren Fensterläden aus getöntem Glas ergeben ein interessantes Fassadenspiel. Zum Hotel gehört das Restaurant „Table No1“, dessen kleiner Außenbereich mit Sitzplätzen den Hof belebt.

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Und dann gibt es da noch diesen tollen Dachgarten mit kleinen Sitz-Nischen und einer Bar, an der man am Abend mit einem Cocktail den Tag wunderbar ausklingen lassen kann, während auf der anderen Seite des Huangpu Flusses die Lichter im Pudong, dem neuen Shanghai, angehen.

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